Weitsicht
Vorrauschau,
voraussehend – wissend und ahnend, was die
Zukunft bringt? Nein, Weitsicht hat nichts mit Deuterei gemein,
weitsichtiges
Handeln ist die Summe alle gegenwärtigen, umsichtiger Handlungen. Durch
umsichtiges Handeln erzeugt man eine Gegenwart, die gute
Vorraussetzungen für
eine gute Zukunft birgt.
Jeder
Mensch verändert durch sein Handeln seine Umwelt - im Großen
wie im individuell Kleinen. „Man schlachtet nicht die Kuh, die man
melkt“
– mahnt schon ein Sprichwort vor der Gier nach dem raschen und großen
Gewinn. Wer rücksichtslos alles aus seiner Umgebung an sich reißt, ohne
die
Folgen für das soziale und ökologische Gleichgewicht zu bedenken,
erzeugt eine
Spannung, die sich unweigerlich gegen ihn selbst entlädt. Einige Könige
und
Zaren mussten dies in der Vergangenheit bitter erfahren. Die Ignoranz
der
Despoten gegenüber der Armut und der Not führte selbst das einst so
zarentreue
Russland in eine blutige Revolution. Krieg und Elend als Summe
ich-bezogener,
rücksichtsloser Handlungen. Auch die Moderne bietet genug bittere
Beispiele:
billig gebaute Öltanker – ganze Küstenregionen werden durch Ölpest
zerstört, leichtfertigen Umgang mit Atommeilern – ein ganzer Landstrich
ist auf Jahrhunderte unbewohnbar; die Liste könnte endlos weiter
geführt
werden. Gewollt hat dies alles niemand, und geplant auch nicht – aber
niemand hat bei der „Schaffung der Umstände“ (Bau eines Öltankers,
Betrieb
eines Kernkraftwerkes) genug Sorgfalt und Umsicht walten lassen um
diese
Katastrophen weniger wahrscheinlich werden zu lassen.
Nun
mögen Sie sich fragen, was ein einzelner Mensch an diesen
Umständen ändern kann. Die Antwort: an diesen Umständen nichts – es sei
denn, Sie bauen gerade einen Öltanker. Was die Umstände in Ihrem
Wirkungsbereich angeht, SEHR VIEL! Meist ist man sich dieser eigen
Macht, die
Zukunft zu beeinflussen, gar nicht bewusst. Der Blick für die kleinen
Details
des Tages, die sich auf morgen und übermorgen auswirken, fehlt – es
fehlt
die Weitsicht. Diese Weitsicht kann man erlernen, üben und ausüben.
Die
freimaurerische Arbeit führt uns zu einem Verständnis dieser
Details – innerhalb unserer Gemeinschaft, unserer Gesellschaft und
unserer Umwelt. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Arbeit fließt in
die
Unterstützung von den Benachteiligten unserer Gesellschaft ein. Hierbei
ist es
nicht Ziel, Almosen zu streuen sondern den Betroffenen eine bessere
Zukunft zu
ermöglichen – und je mehr Menschen ein besseres „Morgen“ vor Augen
haben,
desto besser sind die Aussichten unserer Gesellschaft auf eine
friedliche
Zukunft.
Doch
wollen wir hier nicht den Eindruck großer, raumgreifender
Gesten und Trommelwirbel erzeugen – es geht lediglich darum, ein Talent
zu schulen, die kleinen Bausteine im ganz persönlichen Leben so
umsichtig zu
setzen, dass morgen ein Haus daraus entsteht.