
Da eine einzelne Tugend nicht zur
Charakterisierung eines „tugendhaften" Menschen ausreicht, hat man
meist eine Gruppe von Eigenschaften
zusammengefasst. Die alten Griechen hoben vier Tugenden hervor.
Sokrates: Gottesfurcht / Enthaltsamkeit / Tapferkeit / Gerechtigkeit. Platon: Weisheit / Mäßigung / Tapferkeit / Gerechtigkeit. Diese vier werden in englischernRitualen und bei der GLL als Kardinal-Tugenden aufgeführt. In späteren Zeiten waren es i.a. sieben Eigenschaften, die als vorbildhaft hingestellt wurden. Der Freimaurer Friedrich der Große forderte die 7 preußischen Tugenden: Unbestechlichkeit / Sparsamkeit / Fleiß / Pflichtbewusstsein / Bescheidenheit / Gemeinsinn / Toleranz.
Tugendkataloge
werden auch für andere Gelegenheiten aufgestellt. Als die 7 Tugenden eines
ehrbaren Kaufmanns wurden genannt:
Arbeitslust / fachliches Können / Ehrlichkeit / Sauberkeit in Denken
und Tun /
Ordnungsliebe / Pünktlichkeit / Sparsamkeit.
In den
Akten der GLL sind 7 freimaurerische Tugenden aufgeführt: Mäßigkeit /
Standhaftigkeit / Arbeitsamkeit / Redlichkeit / Verschwiegenheit /
Vorsichtigkeit / Barmherzigkeit.
Im Vergleich mit
anderen Zusammenstellungen erscheinen die damaligen freimaurerischen
Forderungen nach Verschwiegenheit, Vorsichtigkeit und Gehorsam etwas
überbetont,
während die Forderungen der preußischen Tugenden von Friedrich dem
Großen nach
Toleranz und Gemeinsinn der jetzigen freimaurerischen Grundhaltung eher
entsprechen. Die jeweiligen Kulturkreise und politischen Machtsysteme
haben leider die
empfehlenswerten Tugenden im Sinne ihrer Weltsicht oder ihrer
Lehrmeinung zurechtgebogen. Wenn man beispielsweise an fernöstliche
Meditation oder
Versenkung denkt, scheinen dort Pünktlichkeit oder Arbeitsamkeit nicht
als erstrebenswert zu gelten.
Die in
den vergangenen Jahrzehnten überwundenen Diktaturen hoben nur die für
sie nützlichen Tugenden hervor. Das heute in den Industriestaaten immer
mehr um sich greifende Fehlen von Arbeitsmöglichkeiten fordert von uns
wahrscheinlich zukünftig ein Umdenken bezüglich Arbeit und Fleiß. In
den heutigen deutschen
freim. Ritualen, die auf etwa 200 Jahre alte Vorlagen zurückgehen,
werden zwei
Grund-Tugenden gefordert. Und zwar (3WK): Den Verstand zu erleuchten.
Das Herz für die Tugend zu erwärmen.
Ritualmäßig
wird gefordert: Nicht nur Verstand und Klugheit zu haben, sondern auch
das Herz für Bruder- und Menschenliebe, für Barmherzigkeit und Toleranz
aufgeschlossen zu halten und beides mit Weisheit anzuwenden. Die weisen
Altvorderen
bei den Freimaurern haben also eine Formulierung gewählt, die damals
wie heute und auch in
Zukunft ihre Gültigkeit hat. Im Ritual der 3WK werden an anderer Stelle
folgende Tugenden gefordert: Unerschütterliches Gottvertrauen /
Aufrichtigkeit
gegen alle Menschen / Freundschaft gegen die Brüder / Freie,
ungezwungene
Denkart / Unstrafbarer Lebenswandel. Zahlensymbolik („7")