
Der Freimaurer ist auf der Suche nach der
Wahrheit. Er ist auf dem Wege im unendlichen Reich des menschlichen
Geistes. Freimaurer
behaupten und verkünden nicht, die „letzten Wahrheiten", die „letzten
Geheimnisse" zu besitzen oder vermitteln zu können, obwohl immer wieder
einmal einzelne Menschen oder Gruppierungen (z.B. die „Strikte
Observanz", die Rosenkreuzer, die Illuminaten u.a.) damit hausieren
gingen oder
gehen.
Wahrheit ist die objektive Übereinstimmung einer
Aussage mit dem Gegenstand, Wahrhaftigkeit ihre subjektive
Übereinstimmung mit
der Meinung des Sprechenden. Man kann auch von „ewigen Wahrheiten"
reden,
wenn es sich um so schwerwiegende Fragen handelt, wie nach Gott, nach
dem
Sinn des Lebens usw. Daneben gibt es die „kleine Wahrheit“, wobei es
sich meist
um Dinge des täglichen Lebens handelt. Deren Gegensatz ist die Lüge,
also eine
Falschaussage, obwohl der Sprecher die richtige Aussage kennt. Goethe:
„Kenne ich mein Verhältnis zu mir selbst
und zur Außenwelt., so heiß’ s Wahrheit., Und so kann jeder seine
eigene Wahrheit haben, und es ist immer dieselbe".
Bei der Freimaurerei handelt es sich vor allem
um das Suchen nach „ewigen Wahrheiten". „Ein Mensch bleibt weise,
solange er
die Wahrheit sucht; sobald er sie gefunden haben will, ist er ein
Narr."
(Talmud) „Glaube denen die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen,
die sie gefunden haben" (Andre Gide). Diesen Wertebegriff meint auch
Lessing,
wenn er sagt: Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgend ein Mensch ist
oder
zu sein vermeint, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat,
hinter
die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Wen Gott in seiner
Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen, immer regen
Trieb nach
Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren,
verschlossen hielte und spräche zu mir: Wähle! – ich fiele ihm mit
Demut in seine
Linke und sagte: Vater gib! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich
allein“.
Im Alltagsleben bestehen mitunter Wahrheit und
Lüge nebeneinander, wobei in einzelnen Fällen die Lüge auch ethisch
positiv
bewertet werden kann: z.B. barmherzige oder heroische Lüge. Die
Entscheidung
darüber liegt im Gewissen, im moralischen Empfinden des einzelnen
Menschen.
Die Lichtsymbolik versinnbildlicht vor allem die
Wiedergeburt. Darum sind die alten Mysterien ebenso Lichtkulte.
„Es wächst das Licht!" jubelten in
vorchristlicher
Zeit die nordischen Völker an ihren heiligen Stätten, wenn
Wintersonnenwende
war.
Die Bibel sieht Gott im „Reich des ewigen
Lichts".
Obwohl in den operativen Dombauhütten und bei den Logen der Gründungszeit Lichter in der heutigen Form und auch die Binde vor den Augen des Suchenden nicht üblich waren, fanden sich bald viele Symbole, die die Freimaurer als Lichtsucher kennzeichnen.
Die Mysterienkulte versuchten, das
Gegensätzliche zur Einheit zu verschmelzen. Das quälendste Lebensrätsel
war der Gegensatz
von Tag und Nacht, von Licht und Finsternis, von Leben und Tod. Diesen
Widerspruch glaubten die Mysterienbünde aufgehoben zu haben: Tod ist
zugleich
Leben; Finsternis zugleich Licht. Natürlich ist es ein anderes höheres
Leben
als das irdische; und statt des äußeren Lichts wird im Menschen ein
inneres
Licht entzündet.
Goethes blind gewordener Faust erkennt: „... allein im Inneren leuchtet
helles Licht“. Auch Freimaurer sind Lichtsucher. Das Licht ist für sie
ein
Symbol von höchster Bedeutung. In ihnen wird bei der Initiation ein
immaterielles
Licht angezündet, ein solches Licht geschenkt, das auch weiterleuchtet,
wenn
ringsherum alles in Dunkel versinkt. Freimaurer wissen um das Leben
nach dem Tode. Sie gehen den Weg von der Dunkelheit der Materie zum
Licht des
Geistes. Dieser Sachverhalt wird durch die freimaurerische Symbolik
bewußt
gemacht: Der Suchende wandert aus dem Dunkeln dem Licht zu. Er wird
aufgenommen,
indem ihm die Binde abgenommen und das Licht gegeben wird.
Die Loge ist symbolisch nach Osten ausgerichtet,
weil von dort am Morgen der erste Sonnenstrahl, also das Licht, kommt:
Ex
oriente lux. Der Meister vom Stuhl sitzt im Osten. Nach dem Tod geht
der Bruder in
den „ewigen Osten" ein.
Eine Loge ist nur vollkommen, wenn die drei
großen
,,Lichter" aufliegen.
Die Loge wird eröffnet, nachdem die drei kleinen
„Lichter" angezündet sind.
Das Maurerjahr wird am Tag des höchsten Lichtes
begonnen
und gefeiert (Johannisfest).
Der Schutzpatron der Logen, Johannes der Täufer,
war
Verkünder des „wahrhaften Lichtes, das alle Menschen erleuchtet"
(Johannes 1.9). Natürlich hängt die Lichtsymbolik mit der
Sonnensymbolik
zusammen, doch kann man sich das ''Urlicht" als direkt vom Schöpfer
ausgehend denken,
während erst später der Sonnengott mit Tag und Nacht die Polarität des
Lichtes (und der Menschen) bringt. Selbstverständlich nimmt sich auch
die
Christussymbolik des Lichtkultes an ( „Ich bin das Licht der Welt“).
Die Auferstehung im ewigen Licht ist das Ziel. In der Freimaurerei wird
der
Meister mit der Sonne verglichen, die Aufseher mit dem Mond und die
Sterne mit
den Meistern und Gesellen der Loge. Sonne, Mond und Sterne gelten als
die
himmlischen "Lichter". Sonne und Mond finden wir auf dem
Arbeitsteppich und vielfach als beleuchtete Transparente im Osten der
Loge. Die (meist neun) Sterne sind auf dem Teppich und oft an der Decke
der Loge
abgebildet. Der als Lichtsucher bezeichnete Freimaurer geht seinen Weg
zum Licht nach alter Tradition: Der Lehrling sieht das Licht; der
Geselle
geht zum Licht; der Meister findet das Licht. Herders Spruch: „Licht,
Liebe,
Leben heißt auch: Das Licht bringt erst das Leben in den Tempel und
macht den
Bruder zur Liebe fähig. Deshalb schauen die Maurer in Demut auf das
Licht. Das
Kerzenlicht im Tempel ist ein Symbol der Liebe, ohne die wir das Leben
nicht
bestehen können. Erst Licht und Liebe geben dem Menschen die Hoffnung
und machen
ihn lebensfähig. Etwas, das einmal im Kosmos entstanden ist kann nicht
wieder vergehen. Jedes Lichtquant bedeutet gleichzeitig Neubeginn,
Geburt,
Auferstehung, Leben, Wahrheitssuche und auch ewige Dauer. Wer das wahre
Licht in sich aufnimmt, dem wird Licht werden. Was das Licht für
die
Augen, ist die Wahrheit für den Geist.