
Geboren
15. August 1740
in Reinfeld
Gestorben
21. Januar 1815
in Hamburg
Aus
seinem
Lebenslauf :
Der am 15. August 1740 im holsteinischen
Reinfeld als
Pfarrersohn geborene Matthias Claudius hatte sich nach dem Studium der
Rechte
in Jena und ersten bescheidenen poetischen Versuchen (Tändeleyen und
Erzählungen, 1763) um einen Organistenposten in Lübeck beworben, den er
aber
durch eigenes Verschulden nicht bekam.
Nachdem er einige Zeit als Redakteur der Hamburger Adreß-Comptoir-Nachrichten gearbeitet hatte, übernahm er 1771 den von dem Hamburger Verleger Johann Joachim Christoph Bode herausgegebenen "Wandsbecker Bothen", ein kleines, auf Löschpapier gedrucktes, viermal wöchentlich erscheinendes Blatt, das der Redakteur Claudius in kurzer Zeit zu einer der angesehensten Zeitschriften Deutschlands machte. Seine Besonderheit lag nicht darin, dass in diesem Blättchen so ziemlich alles schrieb, was damals im literarischen Deutschland Rang und Name hatte, sondern in der Aussergewöhnlichkeit des Stils, in dem Claudius das Blatt führte. Er wollte sich den Menschen verständlich machen, nicht nur Literaten sollten die Zeitschrift lesen. Daher wählte er eine Sprache von absolut mündlicher Diktion, die sich am Plattdeutschen orientierte, das damals überwiegend in Norddeutschland gesprochen wurde.
Claudius hat für die damaligen Verhältnisse spät
geheiratet. Er war 32, seine Frau erst 18 Jahre alt. Beide hausten in
größter
Dürftigkeit, und der sich bald einstellende Kindersegen vergrößerte
zwar die
äußere Armut, vergrößerte aber auch den inneren Reichtum. Zwölf Kindern
hat
Frau Rebecca das Leben geschenkt, drei von ihnen starben früh.
Als 1775 der Wandsbecker Bothe eingestellt
werden mußte,
vermittelte ihm Herder den Posten eines Oberlandcommissarius und
Redakteurs in
Darmstadt, der ihm aber schon 1777 gekündigt wurde, worauf er glücklich
wieder
in sein geliebtes Wandsbeck zurückkehren konnte, das er nur 1813
verließ, weil
ihn die Kriegswirren dazu zwangen.
Das im Wandsbecker Bothen von ihm Geschriebene
sammelte er
und veröffentlichte es als ersten Band einer Werkausgabe. Alle paar
Jahre
erschien ein neues Büchlein, und aus dem Zeitschriftentitel wurde nun
die
volkstümliche Ehrenbezeichnung des Dichters: Der Wandsbecker Bothe. In
Herbst
1802, mit 62 Jahren, kündigte er den siebten Band als seinen letzten an
und
betrachtete damit sein Lebenswerk als abgeschlossen.
Sein Geld verdiente er im wesentlichen als
Erzieher der
Söhne vermögender Leute und als Revisor der Altonaer Bank, wofür er
(seit 1788)
ein ausreichendes Salär erhielt, aber nur ein Minimum an Arbeit zu
leisten
hatte. Reiche Gönner schenkten ihm Geld für ein eigenes Haus. Er ist
nach der
Flucht vor den Kriegswirren nur noch wenige Wochen in Wandsbeck
gewesen, dann
übersiedelte er im Dezember 1814 nach Hamburg in das Haus seines
Schwiegersohnes, des renommierten Buchhändlers und Verlegers Friedrich
Perthes,
(Ecke Jungfernstieg/Große Bleichen). Hier ist Matthias Claudius am
Nachmittag
des 21. Januar 1815 gestorben, 74 Jahre alt. Die Leiche wurde nach
Wandsbeck
überführt und auf dem Friedhof neben der Kirche beigesetzt. Seine Frau
starb
1832 im Alter von 78 Jahren.
Die Bomben des Zweiten Weltkriegs haben beide
Gräber
unversehrt gelassen. Sie liegen in unmittelbarer Nachbarschaft des
Mausoleums
von Graf und Gräfin Schimmelmann, die bis zu ihrem Tode Matthias
Claudius und
seine Familie unterstützt haben. (Aus dem Festschrift zur Feier des
100-jährigen Bestehens der Johannisloge Matthias Claudius am 10.
Sept.1992,
Quelle: Hamburg-Archiv Blatt Br. 05035 des Archiv-Verlags Braunschweig,
1987)